Kurz erklärt
Der Foot Posture Index bewertet die statische Fußhaltung im belasteten Stand anhand standardisierter Kriterien und ordnet sie biomechanisch ein.
Herkunft des Begriffs
Der Begriff stammt aus dem Englischen und leitet sich ab von foot = „Fuß“, posture = „Haltung“ und index = „Kennwert“.
Weitere Informationen
Synonyme: FPI, FPI-6, Fußhaltungsindex
Der Foot Posture Index (FPI) ist ein klinisches Bewertungsverfahren zur systematischen Beurteilung der statischen Fußhaltung im belasteten Stand. Die heute gebräuchliche Version FPI-6 berücksichtigt sechs Beobachtungs- beziehungsweise Palpationskriterien und ermöglicht eine Einordnung der Fußhaltung auf einem Spektrum von stärker supiniert bis stärker proniert.
Im Gegensatz zu Verfahren, die ausschließlich einzelne Winkel oder die Höhe des Fußgewölbes erfassen, beurteilt der Foot Posture Index mehrere anatomische Regionen und Bewegungsebenen des Fußes gemeinsam.
Herkunft und Entwicklung
Der Foot Posture Index wurde entwickelt, um die Fußhaltung in einer klinisch praktikablen und standardisierten Form zu erfassen.
Während der Entwicklungs- und Validierungsphase wurden zahlreiche mögliche Beurteilungskriterien untersucht. Daraus entstand schließlich eine Version mit sechs Komponenten, die als Foot Posture Index-6 (FPI-6) bezeichnet wird.
Redmond, Crosbie und Ouvrier veröffentlichten 2006 die Validierung des sechs Kriterien umfassenden Bewertungssystems.
Bedeutung im Laufsport
Die Position und Beweglichkeit des Fußes beeinflussen die biomechanische Funktion der unteren Extremität. Deshalb wird die statische Fußhaltung unter anderem in der Sportmedizin, Physiotherapie, Podologie und biomechanischen Forschung untersucht.
Im Laufsport kann der Foot Posture Index beispielsweise Bestandteil einer umfassenden Beurteilung von
- Fußstellung,
- PronationGlossar: Pronation bezeichnet die natürliche Einwärtsbewegung des Fußes beim Aufsetzen, die Stöße dämpft und den Körper beim Laufen und Gehen gut stabilisiert. und SupinationGlossar: Supination bezeichnet die natürliche Auswärtsbewegung des Fußes beim Aufsetzen, die Stabilität gibt und den Abdruck beim Gehen und Laufen unterstützt.,
- Beschwerden des Fußes,
- Laufbiomechanik,
- Trainingsbelastung,
- funktionellen Auffälligkeiten
sein.
Der FPI sollte jedoch nicht isoliert verwendet werden, um Laufstil, Verletzungsrisiko oder die Eignung eines bestimmten Laufschuhs vorherzusagen. Studien an Laufanfängern zeigen beispielsweise, dass eine stärker pronierte statische Fußhaltung nicht grundsätzlich mit einem erhöhten Verletzungsrisiko gleichgesetzt werden kann.
Durchführung
Der Foot Posture Index wird in der Regel im entspannten, beidbeinigen Stand durchgeführt.
Dabei erfolgt die Beurteilung des Fußes ohne gezielte Korrektur der natürlichen Haltung. Die Bewertung umfasst den Rückfuß, Mittelfuß und Vorfuß und berücksichtigt Veränderungen in mehreren Bewegungsebenen.
Beim FPI-6 werden sechs einzelne Kriterien beurteilt.
Die sechs Kriterien des FPI-6
1. Palpation des Taluskopfes
Der Kopf des Sprungbeins (Talus) wird medial und lateral ertastet.
Die Position des Taluskopfes liefert Hinweise darauf, ob der Rückfuß eher in Richtung SupinationGlossar: Supination bezeichnet die natürliche Auswärtsbewegung des Fußes beim Aufsetzen, die Stabilität gibt und den Abdruck beim Gehen und Laufen unterstützt. oder PronationGlossar: Pronation bezeichnet die natürliche Einwärtsbewegung des Fußes beim Aufsetzen, die Stöße dämpft und den Körper beim Laufen und Gehen gut stabilisiert. ausgerichtet ist.
2. Kurven oberhalb und unterhalb des Außenknöchels
Die Konturen oberhalb und unterhalb des lateralen Malleolus werden miteinander verglichen.
Unterschiede zwischen den beiden Kurven können Hinweise auf die Stellung des Rückfußes liefern.
3. Stellung des Calcaneus
Die Position des Fersenbeins (Calcaneus) wird in der Frontalebene beurteilt.
Dabei wird insbesondere betrachtet, ob die Ferse eher
- invertiert,
- annähernd vertikal oder
- evertiert
ausgerichtet ist.
4. Vorwölbung im Bereich des Talonavikulargelenks
Der Bereich des Talonavikulargelenks an der medialen Seite des Fußes wird beurteilt.
Eine ausgeprägtere mediale Vorwölbung kann mit einer stärker pronierten Fußhaltung verbunden sein.
5. Form des medialen Längsgewölbes
Das mediale Längsgewölbe wird hinsichtlich Höhe und Verlauf beurteilt.
Dabei wird nicht ausschließlich die absolute Gewölbehöhe berücksichtigt, sondern insbesondere die Form und Kongruenz des gesamten Gewölbes.
6. Abduktion oder Adduktion des Vorfußes
Abschließend wird die Stellung des Vorfußes gegenüber dem Rückfuß beurteilt.
Dabei wird betrachtet, in welchem Umfang der Vorfuß von hinten betrachtet nach lateral oder medial sichtbar ist.
Diese sechs Kriterien bilden gemeinsam die mehrdimensionale Beurteilung des FPI-6.
Bewertung
Jedes der sechs Kriterien wird auf einer Skala von −2 bis +2 bewertet.
Dabei kennzeichnen negative Werte eine Tendenz zur SupinationGlossar: Supination bezeichnet die natürliche Auswärtsbewegung des Fußes beim Aufsetzen, die Stabilität gibt und den Abdruck beim Gehen und Laufen unterstützt. und positive Werte eine Tendenz zur PronationGlossar: Pronation bezeichnet die natürliche Einwärtsbewegung des Fußes beim Aufsetzen, die Stöße dämpft und den Körper beim Laufen und Gehen gut stabilisiert..
Aus den sechs Einzelbewertungen wird anschließend ein Gesamtwert gebildet.
Der theoretisch mögliche Gesamtbereich reicht von:
−12 bis +12
Ein stärker negativer Wert weist auf eine zunehmend supinierte Fußhaltung hin, während ein stärker positiver Wert eine zunehmend pronierte Fußhaltung beschreibt.
Einordnung der Fußhaltung
Der FPI dient nicht dazu, Füße ausschließlich als „normal“ oder „unnormal“ zu klassifizieren. Vielmehr beschreibt der Wert die Position innerhalb eines kontinuierlichen Spektrums.
Normative Untersuchungen zeigen, dass bei gesunden Erwachsenen eine leicht pronierte Fußhaltung im Stand physiologisch häufig vorkommt. In einer umfangreichen Referenzuntersuchung lag der mittlere FPI-Wert einer gesunden Population bei ungefähr +4.
Damit ist eine gewisse PronationGlossar: Pronation bezeichnet die natürliche Einwärtsbewegung des Fußes beim Aufsetzen, die Stöße dämpft und den Körper beim Laufen und Gehen gut stabilisiert. nicht automatisch als Fehlstellung oder krankhafter Befund zu interpretieren.
Pronation
PronationGlossar: Pronation bezeichnet die natürliche Einwärtsbewegung des Fußes beim Aufsetzen, die Stöße dämpft und den Körper beim Laufen und Gehen gut stabilisiert. beschreibt eine kombinierte Bewegung des Fußes, an der mehrere Gelenke und Bewegungsebenen beteiligt sind.
Während des Laufens besitzt PronationGlossar: Pronation bezeichnet die natürliche Einwärtsbewegung des Fußes beim Aufsetzen, die Stöße dämpft und den Körper beim Laufen und Gehen gut stabilisiert. eine natürliche Funktion. Sie trägt unter anderem zur Anpassung des Fußes an den Untergrund und zur Verarbeitung mechanischer Belastungen bei.
Ein positiver FPI-Wert bedeutet daher nicht automatisch, dass eine behandlungsbedürftige „ÜberpronationGlossar: Überpronation (Hyperpronation) bezeichnet ein übermäßiges Einknicken des Fußes nach innen beim Aufsetzen, wodurch Gelenke und Muskulatur stärker belastet werden können“ vorliegt.
Supination
SupinationGlossar: Supination bezeichnet die natürliche Auswärtsbewegung des Fußes beim Aufsetzen, die Stabilität gibt und den Abdruck beim Gehen und Laufen unterstützt. bezeichnet die entgegengesetzte Bewegungsrichtung beziehungsweise eine stärker nach außen orientierte Fußhaltung.
Ein negativer FPI-Wert weist auf eine zunehmend supinierte statische Fußposition hin.
Auch eine supinierte Fußhaltung stellt für sich genommen keine Diagnose dar. Entscheidend sind Beschwerden, Bewegungsfunktion, Belastbarkeit und weitere biomechanische Faktoren.
Statische und dynamische Fußhaltung
Ein wesentlicher Unterschied besteht zwischen der statischen Fußhaltung im Stand und der tatsächlichen Bewegung des Fußes während des Laufens.
Der Foot Posture Index erfasst in erster Linie die statische Position des belasteten Fußes.
Die dynamische PronationGlossar: Pronation bezeichnet die natürliche Einwärtsbewegung des Fußes beim Aufsetzen, die Stöße dämpft und den Körper beim Laufen und Gehen gut stabilisiert. während eines Laufschritts hängt dagegen von zahlreichen zusätzlichen Faktoren ab, beispielsweise:
- Laufgeschwindigkeit
- Gelenkbeweglichkeit
- Muskelaktivität
- Fußaufsatz
- Untergrund
- Schuhwerk
- Ermüdung
Daher lässt sich aus einem statischen FPI-Wert nicht unmittelbar ableiten, wie sich der Fuß während des Laufens bewegt.
Untersuchungen zeigen zwar Zusammenhänge zwischen statischer Fußhaltung und einzelnen biomechanischen Parametern, diese Zusammenhänge sind jedoch nicht ausreichend, um aus dem FPI allein eine vollständige dynamische Laufanalyse abzuleiten.
Foot Posture Index und Laufschuhe
Historisch wurde eine stärkere PronationGlossar: Pronation bezeichnet die natürliche Einwärtsbewegung des Fußes beim Aufsetzen, die Stöße dämpft und den Körper beim Laufen und Gehen gut stabilisiert. häufig als Grundlage für die Empfehlung von stabilisierenden Laufschuhen verwendet.
Die wissenschaftliche Betrachtung ist heute differenzierter. Eine pronierte Fußhaltung allein gilt nicht automatisch als pathologisch und erlaubt keine zuverlässige Vorhersage, ob bestimmte Laufschuhkategorien Beschwerden verhindern können.
Eine große prospektive Untersuchung an Laufanfängern zeigte beispielsweise, dass moderate PronationGlossar: Pronation bezeichnet die natürliche Einwärtsbewegung des Fußes beim Aufsetzen, die Stöße dämpft und den Körper beim Laufen und Gehen gut stabilisiert. beim Laufen in neutralen Laufschuhen nicht grundsätzlich mit einem erhöhten Verletzungsrisiko verbunden war.
Eine Laufschuhwahl sollte deshalb nicht ausschließlich anhand des Foot Posture Index erfolgen.
Foot Posture Index und Verletzungsrisiko
Der Zusammenhang zwischen statischer Fußhaltung und Laufverletzungen ist komplex.
Einzelne Untersuchungen haben Zusammenhänge zwischen bestimmten FPI-Werten und biomechanischen oder verletzungsbezogenen Parametern gefunden. Andere Studien konnten dagegen keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen statischer Fußhaltung und einem erhöhten allgemeinen Verletzungsrisiko nachweisen.
Daraus folgt, dass der FPI einen klinischen Befund innerhalb einer umfassenderen Untersuchung darstellt und nicht als alleiniger Verletzungsprädiktor betrachtet werden sollte.
Einfluss von Ermüdung
Die Fußhaltung kann sich unter Belastung verändern.
In Untersuchungen an Freizeitläufern wurden nach Laufbelastungen Veränderungen der statischen PronationGlossar: Pronation bezeichnet die natürliche Einwärtsbewegung des Fußes beim Aufsetzen, die Stöße dämpft und den Körper beim Laufen und Gehen gut stabilisiert. festgestellt. Gleichzeitig wurden Zusammenhänge zwischen dem FPI und mechanischen Belastungsgrößen an Knie und Sprunggelenk beobachtet.
Dies verdeutlicht, dass die Fußhaltung keine vollständig unveränderliche Eigenschaft darstellt, sondern unter anderem vom Belastungszustand beeinflusst werden kann.
Vorteile des Foot Posture Index
Zu den Vorteilen des FPI zählen:
- einfache klinische Durchführung
- keine aufwendigen technischen Geräte erforderlich
- Betrachtung mehrerer Fußregionen
- Bewertung in mehreren Bewegungsebenen
- standardisierte Dokumentation
- quantitative Verlaufsbeurteilung
- Einsatz in Forschung und klinischer Praxis
Die ursprüngliche Validierungsstudie kam zu dem Ergebnis, dass das sechs Kriterien umfassende Verfahren eine praktikable multisegmentale und multiplanare Beurteilung der Fußhaltung ermöglicht.
Grenzen des Verfahrens
Der Foot Posture Index besitzt auch methodische Grenzen.
Er beurteilt insbesondere die statische Fußhaltung und ist keine vollständige Analyse der dynamischen Fußbewegung während des Laufens.
Darüber hinaus können Faktoren wie
- Erfahrung der untersuchenden Person,
- Positionierung,
- Belastungsverteilung,
- Tagesform,
- vorausgegangene körperliche Belastung
die Beurteilung beeinflussen.
Auch die Zuverlässigkeit einzelner Kriterien kann unterschiedlich ausfallen. Deshalb sollte der FPI vorzugsweise standardisiert und durch entsprechend geschulte Untersuchende erhoben werden.
Häufige Missverständnisse
- Ein positiver FPI-Wert bedeutet eine Fehlstellung.
Nein. Eine leicht pronierte Fußhaltung ist bei gesunden Erwachsenen häufig und kann als physiologische Variante betrachtet werden. - PronationGlossar: Pronation bezeichnet die natürliche Einwärtsbewegung des Fußes beim Aufsetzen, die Stöße dämpft und den Körper beim Laufen und Gehen gut stabilisiert. verursacht grundsätzlich Laufverletzungen.
Ein solcher allgemeiner Zusammenhang lässt sich wissenschaftlich nicht ableiten. Moderate PronationGlossar: Pronation bezeichnet die natürliche Einwärtsbewegung des Fußes beim Aufsetzen, die Stöße dämpft und den Körper beim Laufen und Gehen gut stabilisiert. wurde in prospektiven Untersuchungen nicht grundsätzlich mit einem erhöhten Verletzungsrisiko in Verbindung gebracht. - Der FPI zeigt die PronationGlossar: Pronation bezeichnet die natürliche Einwärtsbewegung des Fußes beim Aufsetzen, die Stöße dämpft und den Körper beim Laufen und Gehen gut stabilisiert. während des Laufens.
Der Foot Posture Index beurteilt die statische Fußhaltung im Stand. Die tatsächliche Bewegung während des Laufens muss mit dynamischen Untersuchungsverfahren beurteilt werden. - Aus dem FPI lässt sich direkt der richtige Laufschuh bestimmen.
Der FPI kann Bestandteil einer biomechanischen Beurteilung sein, ist allein jedoch keine ausreichende Grundlage zur Auswahl eines bestimmten Laufschuhmodells oder einer bestimmten Stabilitätsklasse.
Verwandte Begriffe
- PronationGlossar: Pronation bezeichnet die natürliche Einwärtsbewegung des Fußes beim Aufsetzen, die Stöße dämpft und den Körper beim Laufen und Gehen gut stabilisiert.
- SupinationGlossar: Supination bezeichnet die natürliche Auswärtsbewegung des Fußes beim Aufsetzen, die Stabilität gibt und den Abdruck beim Gehen und Laufen unterstützt.
- ÜberpronationGlossar: Überpronation (Hyperpronation) bezeichnet ein übermäßiges Einknicken des Fußes nach innen beim Aufsetzen, wodurch Gelenke und Muskulatur stärker belastet werden können
- UnterpronationGlossar: Unterpronation (Supination, Hypopronation) bezeichnet das geringe Einwärtsrollen des Fußes beim Aufsetzen, wodurch die natürliche Stoßdämpfung des Körpers eher eingeschränkt ist.
- Fußgewölbe
- Laufanalyse
- Laufökonomie
- Biomechanik
- Lauftechnik
- Stabilitätsschuh
- Neutraler Laufschuh
Einzelnachweise
- Redmond, A. C., Crosbie, J., & Ouvrier, R. A. (2006). Development and validation of a novel rating system for scoring standing foot posture: The Foot Posture Index. Clinical Biomechanics.
- Redmond, A. C., Crane, Y. Z., & Menz, H. B. (2008). Normative values for the Foot Posture Index. Journal of Foot and Ankle Research.
- Nielsen, R. O., et al. (2014). Foot pronationGlossar: Pronation bezeichnet die natürliche Einwärtsbewegung des Fußes beim Aufsetzen, die Stöße dämpft und den Körper beim Laufen und Gehen gut stabilisiert. is not associated with increased injury risk in novice runners wearing a neutral shoe: A 1-year prospective cohort study. British Journal of Sports Medicine.
- Ramskov, D., et al. (2013). No association between Q-angle and foot posture with running-related injuries: A 10 week prospective follow-up study. International Journal of Sports Physical Therapy.
- Pérez-Morcillo, A., et al. (2019). Association between the Foot Posture Index and running-related injuries: A case-control study. Clinical Biomechanics.
- Mei, Q., et al. (2019). Foot pronationGlossar: Pronation bezeichnet die natürliche Einwärtsbewegung des Fußes beim Aufsetzen, die Stöße dämpft und den Körper beim Laufen und Gehen gut stabilisiert. contributes to altered lower extremity loading after long distance running. Frontiers in Physiology.
