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Pronation

Pronation: Glossar-Wiki
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Kurz erklärt

Pronation bezeichnet die natürliche Einwärtsbewegung des Fußes beim Aufsetzen, die Stöße dämpft und den Körper beim Laufen und Gehen gut stabilisiert.

Herkunft des Begriffs

lateinisch „pronare“ (vorwärts neigen)

Weitere Informationen

Synonyme: Einwärtsdrehung, Einwärtsrotation

Die Pronation bezeichnet eine natürliche, dreidimensionale Bewegung des Fußes, die insbesondere während der frühen Standphase beim Gehen und Laufen auftritt. Dabei bewegt sich der Fuß in einer Kombination aus Eversion, Abduktion und Dorsalflexion. Die Bewegung trägt dazu bei, den Fuß an den Untergrund anzupassen und einen Teil der beim Bodenkontakt auftretenden Belastungen aufzunehmen.

Pronation ist grundsätzlich ein normaler und notwendiger Bestandteil des menschlichen Bewegungsablaufs. Erst eine im Verhältnis zur individuellen Anatomie, Belastung oder Bewegungskontrolle ungewöhnlich stark ausgeprägte oder lange anhaltende Pronationsbewegung wird häufig als ÜberpronationGlossar: Überpronation (Hyperpronation) bezeichnet ein übermäßiges Einknicken des Fußes nach innen beim Aufsetzen, wodurch Gelenke und Muskulatur stärker belastet werden können bezeichnet.

Anatomische Grundlagen

Die Pronation findet nicht ausschließlich in einem einzelnen Gelenk statt. Sie entsteht durch das koordinierte Zusammenspiel mehrerer Strukturen des Fuß- und Sprunggelenkkomplexes. Besonders beteiligt sind das untere Sprunggelenk, das Talonavikulargelenk und das Kalkaneokuboidgelenk.

Bei einer Pronationsbewegung treten typischerweise folgende Teilbewegungen auf:

  • Eversion des Rückfußes,
  • Abduktion des Vorfußes,
  • Dorsalflexion des Fußes,
  • Absenkung des medialen Längsgewölbes,
  • Innenrotation des Unterschenkels.

Die einzelnen Bewegungsanteile können je nach Fußform, Laufstil, Geschwindigkeit und Untergrund unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Pronation stellt daher keine einfache seitliche Kippbewegung dar, sondern einen komplexen dreidimensionalen Bewegungsablauf.

Bedeutung im Laufsport

Beim Laufen beginnt die Pronationsbewegung in der Regel nach dem ersten Bodenkontakt. Unabhängig davon, ob der Kontakt über Rückfuß, Mittelfuß oder Vorfuß erfolgt, passt sich der Fuß während der Belastungsaufnahme an den Untergrund an.

Durch die Pronation wird der Fuß vorübergehend beweglicher. Dadurch können Unebenheiten ausgeglichen und Belastungen auf verschiedene Gelenke, Muskeln und Sehnen verteilt werden. Im weiteren Verlauf der Standphase geht der Fuß zunehmend in Richtung SupinationGlossar: Supination bezeichnet die natürliche Auswärtsbewegung des Fußes beim Aufsetzen, die Stabilität gibt und den Abdruck beim Gehen und Laufen unterstützt. über und wird stabiler. Diese Stabilisierung unterstützt den Abdruck vom Boden.

Pronation und SupinationGlossar: Supination bezeichnet die natürliche Auswärtsbewegung des Fußes beim Aufsetzen, die Stabilität gibt und den Abdruck beim Gehen und Laufen unterstützt. sind somit keine voneinander unabhängigen Fehlstellungen, sondern aufeinanderfolgende Bestandteile eines funktionierenden Bewegungszyklus.

Physiologische Funktion

Die natürliche Pronation erfüllt mehrere biomechanische Aufgaben:

  • Anpassung des Fußes an den Untergrund,
  • Verteilung der auftretenden Druckkräfte,
  • Unterstützung der Stoßdämpfung,
  • Ermöglichung einer kontrollierten Innenrotation des Unterschenkels,
  • Vorbereitung des Fußes auf die anschließende Abdruckphase.

Das Ausmaß der Pronationsbewegung ist individuell verschieden. Eine stärkere Pronation ist daher nicht automatisch als krankhaft oder behandlungsbedürftig einzustufen.

Pronation: Glossar-Infografik

Pronation und Überpronation

Der Begriff ÜberpronationGlossar: Überpronation (Hyperpronation) bezeichnet ein übermäßiges Einknicken des Fußes nach innen beim Aufsetzen, wodurch Gelenke und Muskulatur stärker belastet werden können wird verwendet, wenn die Pronationsbewegung als übermäßig stark, zu schnell oder zu lange anhaltend beurteilt wird. Eine allgemein anerkannte Grenze, ab welchem Bewegungsumfang eine normale Pronation zur ÜberpronationGlossar: Überpronation (Hyperpronation) bezeichnet ein übermäßiges Einknicken des Fußes nach innen beim Aufsetzen, wodurch Gelenke und Muskulatur stärker belastet werden können wird, existiert jedoch nicht.

Die Beurteilung hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab:

  • Bewegungsumfang des Rückfußes,
  • Zeitpunkt der maximalen Pronation,
  • Dauer der Pronationsbewegung,
  • Stellung des Fußgewölbes,
  • Bewegungen von Knie und Hüfte,
  • auftretende Beschwerden,
  • Belastungsumfang und Trainingszustand.

Eine sichtbare Einwärtsbewegung des Rückfußes stellt für sich genommen noch keinen Beleg für eine funktionell problematische ÜberpronationGlossar: Überpronation (Hyperpronation) bezeichnet ein übermäßiges Einknicken des Fußes nach innen beim Aufsetzen, wodurch Gelenke und Muskulatur stärker belastet werden können dar.

Zusammenhang mit der Fußform

Pronationsbewegung und Fußform sind miteinander verbunden, jedoch nicht gleichzusetzen. Ein abgesenktes Längsgewölbe oder Plattfuß kann mit einer stärkeren Pronationsstellung verbunden sein. Dennoch kann ein statisch flach erscheinender Fuß beim Laufen eine unauffällige dynamische Bewegung zeigen.

Umgekehrt kann auch bei einer im Stand neutral erscheinenden Fußform während des Laufens eine ausgeprägte Pronationsbewegung auftreten.

Untersuchungen zeigen Zusammenhänge zwischen der statischen Fußhaltung und bestimmten Bewegungsmustern der unteren Extremität. Die Fußform allein erlaubt jedoch keine vollständige Vorhersage des dynamischen Laufverhaltens.

Abgrenzung zum Fußaufsatz

Die Pronation ist nicht mit dem Fußaufsatz gleichzusetzen. Der Fußaufsatz beschreibt, welcher Bereich des Fußes zuerst den Boden berührt. Unterschieden werden:

  • Rückfußaufsatz,
  • Mittelfußaufsatz,
  • Vorfußaufsatz.

Die Pronation beschreibt dagegen die Bewegung des Fußes während der Belastungsphase. Sie kann bei allen drei Fußaufsatzmustern auftreten.

Ein Rückfußläufer proniert daher nicht zwangsläufig stärker als ein Mittel- oder Vorfußläufer. Ebenso bedeutet ein Vorfußaufsatz nicht automatisch, dass keine Pronationsbewegung stattfindet.

Einflussfaktoren

Das Ausmaß und der Verlauf der Pronation werden durch zahlreiche anatomische und äußere Faktoren beeinflusst. Dazu gehören:

  • Stellung des Fersenbeins,
  • Höhe und Beweglichkeit des Fußgewölbes,
  • Beweglichkeit des oberen und unteren Sprunggelenks,
  • Muskelkraft der Fuß- und Unterschenkelmuskulatur,
  • Stabilität von Knie und Hüfte,
  • Laufgeschwindigkeit,
  • Ermüdung,
  • Untergrund,
  • Laufschuhkonstruktion,
  • bisherige Verletzungen.

Auch eine zunehmende Ermüdung während längerer Läufe kann die Fußhaltung und die Belastung der unteren Extremität verändern. In einer Untersuchung an Freizeitläufern wurde nach einem fünf Kilometer langen Lauf eine stärkere pronierte Fußhaltung festgestellt, die mit veränderten Gelenkmomenten an Knie und Sprunggelenk verbunden war.

Beurteilung

Zur Beurteilung der Pronation werden unterschiedliche Verfahren eingesetzt.

Sichtprüfung

Eine einfache Beurteilung kann im Stand sowie während des Gehens oder Laufens erfolgen. Dabei werden unter anderem die Stellung der Ferse, die Höhe des Längsgewölbes und die Bewegung des Rückfußes betrachtet.

Eine reine Sichtprüfung ist jedoch nur eingeschränkt zuverlässig, da schnelle Bewegungen mit bloßem Auge schwer zu erfassen sind.

Videoanalyse

Bei einer Laufanalyse wird die Bewegung des Fußes häufig von hinten und von der Seite aufgezeichnet. Zeitlupenaufnahmen ermöglichen eine genauere Betrachtung der Rückfußbewegung und des zeitlichen Ablaufs.

Die Bewegung innerhalb eines Laufschuhs kann von außen allerdings nur begrenzt beurteilt werden.

Foot Posture Index

Der Foot Posture Index, kurz FPI, ist ein klinisches Verfahren zur Einordnung der statischen Fußhaltung. Mehrere Merkmale des Vor- und Rückfußes werden bewertet und zu einem Gesamtwert zusammengefasst.

Der FPI unterscheidet zwischen:

  • stark supinierter Fußhaltung,
  • supinierter Fußhaltung,
  • neutraler Fußhaltung,
  • pronierter Fußhaltung,
  • stark pronierter Fußhaltung.

Der Test beschreibt vor allem die Haltung im Stand und nicht unmittelbar die dynamische Bewegung beim Laufen.

Druckmessung und dreidimensionale Bewegungsanalyse

In der biomechanischen Diagnostik können Druckmessplatten, Einlegesohlen mit Sensoren und dreidimensionale Kamerasysteme eingesetzt werden. Diese Verfahren erfassen die Druckverteilung, Gelenkwinkel und zeitlichen Bewegungsabläufe genauer als eine einfache Sichtprüfung.

Zusammenhang mit Laufverletzungen

Eine ausgeprägte Pronation wurde lange als grundsätzlicher Risikofaktor für Laufverletzungen betrachtet. Die wissenschaftliche Datenlage zeigt jedoch kein einheitliches Bild.

In einer prospektiven Untersuchung mit Laufanfängern war eine pronierte Fußhaltung beim Tragen neutraler Laufschuhe nicht generell mit einem erhöhten Verletzungsrisiko verbunden. Andere Untersuchungen fanden dagegen bei bestimmten Personengruppen und Verletzungsarten mögliche Zusammenhänge zwischen Fußhaltung, Pronationsbewegung und Beschwerden.

Pronation sollte deshalb nicht isoliert betrachtet werden. Für die Entstehung von Laufbeschwerden sind meist mehrere Faktoren verantwortlich, darunter:

  • zu schnelle Steigerung des Trainingsumfangs,
  • unzureichende Regeneration,
  • frühere Verletzungen,
  • eingeschränkte Belastbarkeit,
  • muskuläre Defizite,
  • Lauftechnik,
  • ungeeignete oder ungewohnte Belastungen.

Eine symptomfreie Pronationsbewegung muss nicht korrigiert werden.

Laufschuhe und Pronationsstützen

Laufschuhe werden häufig in neutrale Modelle, Stabilitätsschuhe und sogenannte Motion-Control-Schuhe unterteilt. Stabilitäts- und Motion-Control-Schuhe enthalten konstruktive Elemente, die bestimmte Bewegungen des Fußes beeinflussen sollen.

Einige Studien zeigen, dass solche Schuhe die Pronationsbewegung reduzieren oder bei bestimmten Läufergruppen das Risiko pronationsbezogener Beschwerden senken können. Daraus lässt sich jedoch keine allgemeine Empfehlung ableiten, nach der jede pronierte Fußhaltung einen Stabilitätsschuh erfordert.

Die Auswahl eines Laufschuhs allein anhand der Fußgewölbehöhe oder einer statischen Pronationsbeurteilung gilt wissenschaftlich als unzureichend abgesichert. Passform, Komfort, individuelle Bewegung und bisherige Erfahrungen sind ebenfalls von Bedeutung.

Einlagen

Orthopädische oder sportartspezifische Einlagen können die Druckverteilung und bestimmte Bewegungen des Fußes verändern. Ihr Einsatz erfolgt insbesondere bei wiederkehrenden Beschwerden, auffälligen Belastungsmustern oder strukturellen Besonderheiten.

Eine Einlage muss nicht zwangsläufig jede Pronationsbewegung verhindern. Ziel kann vielmehr sein, Belastungsspitzen zu reduzieren, schmerzhafte Strukturen zu entlasten oder die Bewegung in einem individuell verträglichen Bereich zu führen.

Training und Bewegungskontrolle

Die Pronationsbewegung kann durch die Funktion verschiedener Muskeln beeinflusst werden. Dazu gehören unter anderem die Fußmuskulatur, die Wadenmuskulatur, der Musculus tibialis posterior sowie die seitliche Unterschenkelmuskulatur.

Auch die Kontrolle von Knie, Hüfte und Becken kann den Bewegungsablauf der unteren Extremität beeinflussen. Kräftigungs- und Koordinationsübungen werden deshalb häufig nicht ausschließlich auf den Fuß beschränkt, sondern beziehen die gesamte Bewegungskette ein.

Ein Training der kurzen Fußmuskulatur kann bestimmte kinematische und kinetische Parameter des Fußes verändern. Die Wirkung auf Beschwerden und Verletzungsrisiken ist jedoch individuell und nicht allein aus der Fußhaltung ableitbar.

Häufige Missverständnisse

Pronation ist grundsätzlich eine Fehlstellung.

Pronation ist ein natürlicher und funktionell notwendiger Bestandteil des Geh- und Laufzyklus.

Eine sichtbare Pronationsbewegung muss immer korrigiert werden.

Eine Korrektur ist nicht grundsätzlich erforderlich. Entscheidend sind Beschwerden, Belastungsverträglichkeit und der gesamte Bewegungsablauf.

Abgelaufene Sohlen zeigen zuverlässig eine ÜberpronationGlossar: Überpronation (Hyperpronation) bezeichnet ein übermäßiges Einknicken des Fußes nach innen beim Aufsetzen, wodurch Gelenke und Muskulatur stärker belastet werden können.

Das Verschleißbild eines Laufschuhs wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst und erlaubt keine zuverlässige biomechanische Diagnose.

Ein flaches Fußgewölbe bedeutet automatisch ÜberpronationGlossar: Überpronation (Hyperpronation) bezeichnet ein übermäßiges Einknicken des Fußes nach innen beim Aufsetzen, wodurch Gelenke und Muskulatur stärker belastet werden können.

Statische Fußform und dynamische Bewegung sind miteinander verbunden, aber nicht identisch.

Stabilitätsschuhe verhindern grundsätzlich Laufverletzungen.

Die Wirkung von Laufschuhkategorien auf das allgemeine Verletzungsrisiko ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt.

Verwandte Begriffe

Einzelnachweise

  • Brockett, C. L., & Chapman, G. J. (2016). Biomechanics of the ankle. Orthopaedics and Trauma.
  • Buldt, A. K., Murley, G. S., Butterworth, P., Levinger, P., Menz, H. B., & Landorf, K. B. (2013). The relationship between foot posture and lower limb kinematics during walking: A systematic review. Gait & Posture.
  • Malisoux, L., Chambon, N., Delattre, N., Gueguen, N., Urhausen, A., & Theisen, D. (2016). Injury risk in runners using standard or motion control shoes: A randomised controlled trial with participant and assessor blinding. British Journal of Sports Medicine.
  • Mei, Q., Gu, Y., Xiang, L., Baker, J. S., & Fernandez, J. (2019). Foot pronation contributes to altered lower extremity loading after long distance running. Frontiers in Physiology.
  • Nielsen, R. O., Buist, I., Parner, E. T., Nohr, E. A., Sørensen, H., Lind, M., & Rasmussen, S. (2014). Foot pronation is not associated with increased injury risk in novice runners wearing a neutral shoe: A one-year prospective cohort study. British Journal of Sports Medicine.
  • Nigg, B. M., Baltich, J., Hoerzer, S., & Enders, H. (2015). Running shoes and running injuries: Mythbusting and a proposal for two new paradigms: Preferred movement path and comfort filter. British Journal of Sports Medicine.
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Stephan Wäsche@stephan

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